Was ist Kunst & brauchen wir? | Yvonne Vertes von Sikorszky
Was ist eigentlich Kunst?
„Schöpferisches Gestalten aus den verschiedensten Materialien oder mit den Mitteln der Sprache, der Töne in Auseinandersetzung mit Natur und Welt“, so wird Kunst im Duden beschrieben. Dies legt den Verdacht nahe, dass im Grunde genommen alles Kunst ist – oder Kunst sein kann, wenn man denn will, dass es Kunst ist.
„Die Kunst vollendet das, was die Natur nicht ins Werk umsetzen kann, oder sie ahmt nach“, soll einst Aristoteles gesagt haben. Dies würde die Natur als Künstler ausschließen, die per Duden-Definition durchaus schöpferische Gestaltungskraft und somit potenzielle künstlerische Fähigkeiten innehat.
Yvonne Vertes von Sikorszky definiert die Kunst weniger konkret, aber nicht weniger verbindlich. Menschen und Kunst sind die Basis jeder Gesellschaft. Künstlerische Praxis als solche macht nur einen kleinen Teil der Kunst selbst aus, erklärt sie. Kunst ist so viel mehr, ein Lebensstil. Dieser kann sich in materieller Kunst, aber auch durch Gefühle zeigen. Dieses Gefühl kann sich aber nicht bei jedem Menschen direkt einstellen, weiß Yvonne Vertes. Einige Menschen haben nur eine sehr oberflächliche Begegnung mit Kunst und haben Schwierigkeiten, einen tieferen Sinn in und durch die Kunst zu sehen. Es geht im Bereich der Kunst auch darum Fähigkeiten zu entwickeln, sich selbst künstlerisch auszudrücken – verbal oder materiell. Vielen Menschen wurden solche Fähigkeiten nie nahegebracht. Diesen Menschen möchte die Kunstliebhaberin einen Zugang zu Kunst vermitteln. Kunst hat in ihren Augen oft eine starke Botschaft, die erkannt werden möchte.
Brauchen wir Kunst?
Till Brönner, Kenner der Szene schätzen ihn als weltbekannten Jazz-Trompeter, beantwortet diese Frage in einem Interview sehr deutlich. Kunst sei ein Menschenrecht, sagt er, die es bekanntlich zu fördern und zu wahren gelte. Die Frage fiel in dem Zusammenhang, ob Kunst nicht etwas sehr Elitäres sei. Diese Fragestellung ergibt sich vielen Kunstkennern auf kurz oder lang, so auch Yvonne Vertes. Zugegeben, die Ausstellungen der Galerie von Vertes wird auch primär von Menschen besucht, die schon vorher ein hohes Verständnis für Kunst hatten, oder aber sich einer sozialen Ebene zugehörig fühlen (wollen), in welcher man Kunst schätzt und besitzt. Gerade dort sieht Vertes aber das Potenzial. Für ihr sind seine Ausstellungen eine Herzensangelegenheit, die sie mit jedem Besucher erörtern und dessen Begeisterung sie aufflammen lassen möchte. Er möchte sie mitnehmen in die Welt der Kunst, die so vielen Menschen noch völlig verborgen ist, ihnen aber so vieles geben kann. Für ihr geht mit jedem Besucher ein neuer Traum in Erfüllung. Es war schon immer ihr innigster Wunsch, ihre Liebe zu der Kunst mit Menschen teilen zu können. Nun hat sie ständig die Gelegenheit dazu, seinen Traum zu leben und in anderen Menschen ähnliche Träume zu erwecken.
„Kunst ist eine Erfahrung, nicht ein Objekt“, sagte einst Robert Motherwell, und dürfte damit den Ausführungen von Yvonne Vertes von Sikorszky ziemlich nahekommen. Diese Definition lässt genügend Spielraum für die verschiedenen Begegnungen mit Kunst, die es zu einer Erfahrung werden lassen können – egal, wieviel Kunstverständnis man vielleicht von Haus aus mitbringt. Eine Erfahrung kann vielschichtig sein, ohne sich so zu präsentieren.
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